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Der Münchner Jakobsweg

Elfies Pilgerquartier - Marktoberdorf

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Weit noch ist mein Weg,
fern sein Ziel.
Doch am Ende eines langen Tages
erwartet mich ein Ort
an dem ich
ausruhen,
Last ablegen,
„Ich“ sein kann.
Morgen gehe ich weiter
ein kleines Stück auf meinem Weg,
ein Stück näher zum Ziel,
ein Stück näher zu mir
.

Pilger auf dem Münchner Jakobsweg können sich über ein neues Pilgerquartier freuen! Neben den Klöstern am Weg, den Pilgerherbergen, Gästehäusern, Bauernhöfen und vielen Familien, die Pilgerzimmer vermieten, ist in Marktoberdorf durch Privatinitiative ein weiteres Pilgerquartier entstanden - von Jakobspilgern für Jakobspilger!

Bereits 1996 waren Elfie und Erhard Geipel auf den Jakobsweg aufgebrochen. In zehn Jahresetappen pilgerten sie von München nach Santiago und standen 2005 nach langer Pilgerwanderung zum ersten Mal vor der Kathedrale in Santiago. Überwältigt vom tiefen Glücksgefühl der Ankunft und noch völlig unter dem Eindruck dieses faszinierenden Pilgerweges feierten sie die Pilgermesse mit und umarmten in alter Pilgertradition die Statue des heiligen Jakobus über dem Altar.
Seither hat sie der Jakobsweg nie mehr ganz losgelassen. Immer wieder waren sie alleine oder mit Pilgerfreunden auf Teilstücken unterwegs, genossen die Stille der Landschaft, das Einssein mit der Natur und die überreiche Spiritualität dieses Weges. Und als 2003 der „Münchner Jakobsweg“ eingeweiht wurde, waren sie bei den ersten, die dem Zeichen der Muschel von München zum Bodensee folgten.

Und ganz allmählich wurde in ihnen der Wunsch immer größer, etwas von dem vielen Guten zurückzugeben, das sie unterwegs erfahren hatten, vor allem von den Menschen am Weg, die sich ihrer stets liebevoll angenommen hatten.

So kam es, dass sie 2009 nach einem geeigneten Haus Umschau hielten, das am Jakobsweg liegt und in dem sie nicht nur selber wohnen, sondern auch einige Pilgerzimmer einrichten könnten. Ihre Wahl fiel auf Marktoberdorf! Sie kauften ein Haus und machten sich voller Begeisterung an die Arbeit: Es wurde umgebaut, gemalert, genäht und geputzt – in nur sechs Monaten entstanden drei Pilgerzimmer mit sieben Betten, Bad, Dusche, Toiletten, Küche und Aufenthaltsraum im ersten Stock des Hauses, auch die Gartenterrasse darf mitbenutzt werden. Welche Freude für Pilger, am Ende des sechsten Wandertages von München aus in diese gemütliche und liebenswerte Atmosphäre eintauchen, ausruhen und „ Last ablegen“ zu können. Außerdem handelt es sich bei den Herbergseltern um erfahrene Jakobspilger, die gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Am 24. April 2010 war es soweit: Die Herbergseltern Elfie und Erhard Geipel präsentierten stolz und glücklich ihr neues Pilgerquartier: Bereits am Treppenaufgang blieben die Gäste an den vielen Bildern vom Jakobsweg hängen und schmökerten neugierig in den Büchern des Aufenthaltsraumes.
Pilgermutter Elfie stellte die Gäste vor: Neben vielen Pilgern aus der näheren und weiteren Umgebung – sogar aus Frankreich waren Pilgerfreude angereist – waren auch zwei Damen des hiesigen Fremdenverkehrsbüros zugegen sowie Herr Hanig, der sich u.a. als Vertreter der Wegeprojekte in der Region Marktoberdorf um die Pflege und Markierung des Jakobsweges kümmert.

Anschließend erfolgte die offizielle Einweihung des Pilgerquartiers durch Diakon Elmar Schmid. Er verwies auf die vielfältigen Motive der Jakobspilger gestern und heute, unterwegs auf der Suche nach Gott, nach ihrem eigenen Selbst oder dem Sinn des Lebens und stellte einen Vergleich an zum Symbol der Pilgerfahrt, der Muschel mit ihrer kostbaren Perle, die es in ihrem Inneren zu suchen und zu finden gibt. Und dass die meisten Pilger nach den körperlichen Beschwerden der ersten Tage und der Überwindung seelischer Probleme schließlich zu einer Einheit von Körper, Seele und Geist finden und in Santiago als Pilger ankommen.
Nach dem Segnen der Pilger und dem Besprengen aller Räume mit Weihwasser konnten sich alle Anwesenden an der ersten deftigen Pilgermahlzeit gütlich tun: Elfie schnitt das selbstgebackene Brot an, das eine große Muschel zierte – es schmeckte wunderbar zum köstlichen spanischen Pilgereintopf und zum Rioja-Wein. Fast wie von selbst ergaben sich dabei anregende Pilgergespräche, bei dem auch so mancher Plan für das nächste Pilgervorhaben zum Besten gegeben wurde.
Eine kleine Pilgerwanderung führte zur katholischen Stadtpfarrkirche St. Martin. Pfarrer Wolfgang Schilling ließ es sich nicht nehmen, uns „ seine“ Kirche selbst vorzustellen. Neben der langen Geschichte – sie steht auf den Grundmauern einer romanischen Kirche – brachte er uns anschaulich und engagiert die Bedeutung der vielen Fresken zu den Hauptthemen „Kreuzerhöhung“ und zum Kirchenpatron St. Martin näher.

Durch die Lindenallee, welche Kurfürst Clemens Wenzeslaus vor 200 Jahren anlegen ließ und über die der Münchner Jakobsweg nach Marktoberdorf hineinführt, pilgerten wir zurück zum Quartier, wo Herbergsvater Erhard als letzte Einweihungsaktion das Namensschild der Geipels – natürlich mit einer großen Muschel – am Haus anbrachte, damit die Pilger ihr neues Quartier auch wirklich finden.
Bei Kaffee und Kuchen und mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Möge die Straße“ klang dieser wunderschöne Einweihungstag aus.
Bereits für diesen ersten Abend hatten sich drei Jakobspilger angekündigt, die am Morgen in Lechbruck aufgebrochen waren.

Bleibt zu wünschen, dass alle Pilger, die bei Elfie und Erhard übernachten, die nötige Ruhe und den erholsamen Schlaf finden, den sie für ihre anstrengende Pilgerreise benötigen; dass so manche zufällige Begegnung zu tiefen Pilgergesprächen und neuen Freundschaften führt; dass der heilige Jakobus in diesem Haus immer mit zugegen ist und dass Gottes Segen und Schutz stets über allem liegt.

Adresse:
Elfies Pilgerquartier
Elfie und Erhard Geipel
Reichshofstraße 4
87616 Marktoberdorf
Tel. 08342 / 701 9 718