„Zu einem einsamen Mönch kamen eines Tages ein paar Besucher, die ihn fragten: „Was für einen Sinn siehst du in deinem Leben der Stille?“. Der Mönch war beschäftigt mit dem Schöpfen von Wasser aus einer Zisterne. Und er sprach zu seinen Besuchern: „Schaut in die Zisterne! Was seht ihr“?“ Die Leute blickten hinein: „Wir sehen nichts.“ Nach einer kurzen Weile forderte der Einsiedler die Leute wieder auf: „Schaut in die Zisterne. Was seht ihr?“ Und die Leute sagten: „Ja, jetzt sehen wir uns selbst!“ Der Mönch sprach: „Schaut, als ich vorhin Wasser schöpfte, war das Wasser unruhig. Jetzt ist das Wasser ruhig. Das ist die Erfahrung der Stille: Man sieht sich selbst!“
Frühstück
7.30 Uhr, Aufbruch 8:30 Uhr. Vor der Kirche von Görisried sprach Teilnehmer
Helmut das Morgengebet und wir sangen gemeinsam das Ultreya-Lied von Conques,
bevor wir aufbrachen zur Kempter Waldkapelle. Zunächst wunderten wir uns
über viele vorbeifahrende Autos, bis wir beim Näherkommen entdeckten, dass
trotz vorheriger anderslautender Aussagen das Waldkapellenfest doch
stattfand. Vor der Kapelle war ein Altar aufgebaut und um 10:45 begann die
Feldmesse unter freiem Himmel. Die Predigt des Priesters sprach uns aus der
Seele. Er erzählte die Legende von dem Mann, der dem Herrgott sein Leid
klagt, weil er ein so großes Kreuz zu tragen hat. Gott hat ihm daraufhin
andere Kreuze vorgestellt und ihn aufgefordert, sich das richtige für sich
auszusuchen – und siehe da, ohne dass der Mann es wusste, war ihm
schließlich sein eigenes Kreuz doch am liebsten … Auch empfahl der nette
Pfarrer, dass wir Menschen die Fülle des Lebens genießen sollten, weil sich
die Seele am wohlsten in einem gesunden Körper fühlt. Und ebenso wie wir
freute er sich, dass der Himmel aufriss und die Sonne aus einem weißblauen
Himmel schien. Die ausgiebige Brotzeit nach der Messe tat bei diesem Wetter
besonders gut!
Um
nach der unerwarteten Ablenkung wieder in die Stille einzutauchen, die sich
die meisten Teilnehmer für ihre Pilgerwanderung gewünscht hatten, meditierte
ich kurz darüber, was mit unserer Seele auf einer Pilgerwanderung passiert
und wie sie sich langsam von ihren Ängsten und Sorgen befreit und zur Ruhe
kommt und leitete damit über zu den Meditationstafeln im Kempter Wald, die
am besten jeder für sich alleine betrachtet und die Gedanken auf den Tafeln
auf sich wirken lässt. Die Pilger nahmen dieses „Stillwerden“ gerne an, erst
am Dengelstein, diesem Nagelfluhfelsen mit seinen 1250 Tonnen Gewicht und
einer Höhe von über acht Metern warteten wir alle aufeinander. Es wird
vermutet, dass er während der letzten Eiszeit durch den Illergletscher bis
hierher transportiert wurde. Früher war er eine keltische Kultstätte und
natürlich hat so ein Riesenfindling seine Sage: „ Der Teufel würde hier im
Auftrag des Todes immer dann seine Sense dengeln, wenn schlimme Zeiten
bevorstünden.“ Auch für den Krimi „Erntedank“ von Kommissar Kluftinger war
dieser geheimnisvolle und rätselhafte Stein natürlich interessant. Wir
freuten uns dennoch auf einen Kaffee am Bachtelweiher, bevor wir die
restliche Wegstrecke nach Kempten in Angriff nahmen und über die
Illerbrücke, St. Mang und den Rathausplatz zum nahen Hotel Peterhof
gelangten..
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